Kurz gesagt

In sechs Shops mit zusammen 164.529 Anmeldungen in zwölf Monaten liegt die Anmelderate des jeweils wichtigsten Formulars im Median bei 2,9 Prozent, die Spanne reicht von 1,7 bis 12,4 Prozent. Rund 72 Prozent der Besucher, die das Formular sehen, klicken es aktiv weg. Ein einziges Formular bringt dabei im Median die Hälfte aller Anmeldungen - deshalb entscheidet dieses eine Formular, wie groß deine Liste wird.

Im Flow-Benchmark stand eine Zahl, die die Reihenfolge der Arbeit umdreht: Der Welcome Flow hat den höchsten Wert je Empfänger von allen Flows - und erreicht die wenigsten Menschen. Wer ihn schon gut gebaut hat, holt mehr aus mehr Anmeldungen als aus besseren Mails.

Also habe ich mir angesehen, was die Anmeldeformulare in denselben sechs Shops tatsächlich leisten: 164.529 Anmeldungen in zwölf Monaten.

Was eine normale Anmelderate ist

Jeder Shop hat mehrere Formulare - Pop-up, Formular im Footer, Anmeldung im Checkout, dazu Sonderformen für Aktionen. Interessant ist zuerst das wichtigste, also das mit den meisten Aufrufen:

ShopAufrufe des HauptformularsAnmelderateAnteil an allen Anmeldungenweggeklickt
A425.8072,7 %71 %90 %
B177.3575,0 %42 %79 %
C223.9321,7 %29 %64 %
D8.31312,4 %62 %43 %
E174.6652,2 %40 %65 %
F209.9043,0 %68 %85 %
Median2,9 %52 %72 %

Die Rate ist die, die Klaviyo selbst ausweist. Sie rechnet auf alle Aufrufe, nicht auf einzelne Personen - wer Anmeldungen durch eindeutige Besucher teilt, kommt in denselben Accounts auf deutlich höhere Werte. Für den Vergleich mit dem eigenen Dashboard ist die ausgewiesene Rate die richtige.

Zwischen 2 und 3 Prozent ist normal. Wer darunter liegt, hat meist ein Timing- oder ein Angebotsproblem. Shop D mit 12,4 Prozent ist kein Wunder, sondern ein Sonderfall: ein Formular mit wenig, dafür sehr gezieltem Traffic. Je breiter die Zielgruppe, desto niedriger die Rate - das ist eine Frage der Mathematik, nicht der Gestaltung.

Die 72 Prozent, die wegklicken

Die Zahl, bei der ich beim Rechnen kurz gestockt habe: Im Median klicken 72 Prozent der Besucher, denen das Formular angezeigt wird, es aktiv weg. In einem Shop sind es 90 Prozent.

Das sind Menschen, die eine bewusste Handlung ausführen, um dein Angebot loszuwerden. Sie ignorieren es nicht - sie lehnen es ab.

Daraus folgt nicht "Pop-ups sind schlecht". Daraus folgt, dass das Angebot im Pop-up für die allermeisten Besucher nicht passt. Zehn Prozent Rabatt auf den ersten Kauf ist für jemanden, der zum ersten Mal auf der Seite ist und noch nicht weiß, ob er dir traut, kein Grund, seine Adresse herzugeben. Für jemanden, der schon dreimal gekauft hat, erst recht nicht.

Die beiden Shops mit den niedrigsten Wegklick-Raten in dieser Auswertung sind auch die mit den höchsten Anmelderaten. Das Formular selbst sieht überall ähnlich aus. Der Unterschied liegt in dem, was drinsteht, und darin, wann es erscheint.

Ein Formular trägt die Hälfte

Im Median kommen 52 Prozent aller Anmeldungen aus einem einzigen Formular, in zwei Shops über 68 Prozent.

Das ist gleichzeitig Risiko und Chance. Risiko, weil ein einzelner Fehler an dieser Stelle - ein kaputtes Formular nach einem Theme-Update, eine falsche Anzeigeregel, ein zu aggressives Cookie-Banner davor - die Hälfte des Listenwachstums stoppt, ohne dass irgendwo eine Warnung aufleuchtet.

Chance, weil dieselbe Hebelwirkung in die andere Richtung gilt. Ein Prozentpunkt mehr bei einem Formular mit 400.000 Aufrufen im Jahr sind 4.000 zusätzliche Anmeldungen. Dieselbe Arbeit an einem Formular mit 8.000 Aufrufen bringt 80.

Deshalb die erste Frage im Audit nicht "wie sieht das Pop-up aus", sondern: Welches Formular hat die meisten Aufrufe, und wann hat es zuletzt jemand angefasst?

Der Check, der in fast jedem Account etwas findet

Beim Gegenrechnen ist mir etwas aufgefallen, das ich so nicht erwartet hatte: Die Zahl der Menschen, die tatsächlich in den Welcome Flow einsteigen, ist in diesen Accounts deutlich kleiner als die Zahl der gezählten Anmeldungen. Je nach Shop um ein Vielfaches.

Dafür gibt es harmlose Erklärungen und unangenehme, und welche davon zutrifft, unterscheidet sich von Shop zu Shop:

  • Der Bestätigungsschritt. Bei bestätigter Anmeldung zählt eine Eintragung sofort, aber in den Welcome Flow kommt nur, wer den Link in der Bestätigungsmail klickt. Landet diese Mail schlecht oder sieht sie nach Behördenpost aus, verlierst du hier Leute, die sich gerade aktiv angemeldet haben.
  • Formulare, die woanders hinführen. Anmeldungen aus Aktionsformularen, Warteliste-Anmeldungen oder Quiz-Teilnahmen laufen in eigene Strecken. Das ist richtig so - aber oft gibt es für diese Listen gar keine Strecke, und die Kontakte hören nie wieder etwas.
  • Mehrfache Eintragungen derselben Person zählen als Anmeldung, lösen aber keinen neuen Flow aus.

Der Check dauert zehn Minuten und geht so: Nimm die Zahl der Anmeldungen der letzten 30 Tage aus dem Formular-Report. Nimm die Zahl der Personen, die im selben Zeitraum in deinen Welcome Flow eingestiegen sind. Wenn die zweite Zahl deutlich kleiner ist, such den Unterschied - in der Bestätigungsmail, in den Listen ohne Flow, in doppelten Eintragungen.

In den Shops, in denen ich das geprüft habe, war immer etwas dabei. Das ist der günstigste Umsatz im ganzen E-Mail-Marketing: Leute, die sich bereits angemeldet haben und trotzdem nie ankommen.

Was die Rate tatsächlich hebt

Die Reihenfolge, in der ich an einem Formular arbeite:

Der Anlass vor dem Rabatt. Die Frage ist nicht, wie viel Prozent im Pop-up stehen, sondern warum jemand ausgerechnet jetzt seine Adresse hergibt. Ein Shop mit Erklärungsbedarf gewinnt mit Beratung mehr Adressen als mit fünf Prozent. Ein Shop mit knapper Ware gewinnt mit "Wir sagen dir Bescheid".

Desktop und Mobil getrennt. Auf dem Desktop lässt sich eine Absicht erkennen, wenn der Mauszeiger Richtung Tab wandert. Auf dem Handy gibt es diese Geste nicht - dort entscheidet die Zeit oder die Scrolltiefe. Ein Formular für beides heißt, dass es für eine der beiden Seiten zum falschen Moment kommt. Das ist in den meisten Accounts der größte einzelne Hebel.

Der zweite Schritt. Erst die Adresse, dann alles Weitere auf einer zweiten Ebene. Jedes zusätzliche Feld auf der ersten Ebene kostet Anmeldungen.

Was nach dem Wegklicken passiert. Wer einmal abgelehnt hat, sollte nicht auf jeder Seite dasselbe Fenster wiedersehen - aber ein kleiner, dauerhaft erreichbarer Anker ist sinnvoll. Ein Teil der 72 Prozent kommt später zurück.

Welche Kombination bei einem konkreten Sortiment funktioniert, lässt sich nicht aus einer Tabelle ableiten. Das ist der Teil, für den es Tests und ein paar Jahre Muster im Kopf braucht.

Methodik und eine gestrichene Rechnung

  • Sechs Shopify-Shops im DACH-Raum, alle von mir betreut, September 2025 bis September 2026. 164.529 gezählte Anmeldungen über alle Formulare.
  • "Hauptformular" ist je Shop das Formular mit den meisten Aufrufen, mindestens 5.000 Aufrufe im Jahr.
  • Die Anmelderate ist die von Klaviyo ausgewiesene Submit-Rate. Sie bezieht sich auf Aufrufe, nicht auf Personen.
  • "Weggeklickt" ist der Anteil der eindeutigen Betrachter, die das Formular aktiv geschlossen haben.

Was ich gestrichen habe: Ursprünglich wollte ich ausrechnen, was eine einzelne Anmeldung wert ist - Welcome-Flow-Umsatz geteilt durch Anmeldungen. Beim Gegenrechnen kam heraus, dass die Zahl der Welcome-Flow-Einsteiger und die Zahl der gezählten Anmeldungen in diesen Accounts nicht dieselbe Grundgesamtheit beschreiben (siehe oben). Jeder Euro-Betrag, den ich daraus gebildet hätte, wäre um ein Vielfaches danebengelegen. Die Lücke selbst war der interessantere Befund - also steht sie im Beitrag und die Rechnung nicht.

Häufige Fragen dazu

Was ist eine gute Pop-up-Conversion-Rate?

In diesen sechs Shops liegt das jeweils wichtigste Formular bei 1,7 bis 12,4 Prozent, im Median bei 2,9 Prozent. Zwischen 2 und 3 Prozent ist bei breitem Traffic normal. Höhere Werte kommen fast immer von Formularen, die nur einer kleinen, gezielten Gruppe angezeigt werden.

Wie viele Newsletter-Anmeldungen sind pro Monat realistisch?

Das hängt fast vollständig am Traffic. Sinnvoller als eine absolute Zahl ist die Rechnung: Aufrufe des Hauptformulars mal Anmelderate. Wenn du die Aufrufe nicht kennst, ist das die erste Zahl, die du dir holst.

Schaden Pop-ups der Nutzererfahrung?

Sie kosten etwas, ja - und in dieser Auswertung klicken 72 Prozent der Betrachter sie aktiv weg. Die Frage ist deshalb nicht ob, sondern wann und mit welchem Angebot. Ein Formular, das beim ersten Scrollen auf einer Produktseite erscheint, ist etwas anderes als eines, das nach zwanzig Sekunden Lesezeit kommt.

Brauche ich eine Bestätigungsmail bei der Anmeldung?

In Deutschland ist die bestätigte Anmeldung der Weg, der die Einwilligung nachweisbar macht. Sie kostet einen Teil der Anmeldungen - aber diesen Teil verlierst du vor allem dann, wenn die Bestätigungsmail schlecht gestaltet ist oder im Spam landet. Beides lässt sich beheben.

Was bringt mehr: mehr Anmeldungen oder bessere Flows?

Wenn der Welcome Flow noch aus einer Mail besteht: die Flows. Wenn er steht, sind es die Anmeldungen - weil der Wert je Anmeldung dann schon hoch ist und nur die Menge fehlt.

Julian Reinhard
Julian ReinhardGründer retentionclub, Klaviyo-Partner

Ich baue seit über 5 Jahren Klaviyo-Systeme für Shopify-Brands - über 25 Shops, von der ersten Welcome-Mail bis zum Black-Friday-Presale. Hier schreibe ich auf, was in der Praxis funktioniert.