Kurz gesagt

Aktivitätsbasierte Flows wie Browse Abandonment, Warenkorb oder Checkout werden durch Verhalten ausgelöst, nicht durch eine Anmeldung. Ohne zusätzlichen Filter schicken sie Werbung auch an Kontakte ohne dokumentierte Einwilligung. Der sichere Filter lässt nur Profile durch, deren Anmeldung nachweisbar ist - der Consent-Status „subscribed" allein reicht dafür nicht.

Wenn ich einen Klaviyo-Account übernehme, ist das der erste Punkt, den ich prüfe. Nicht die Vorlagen, nicht die Betreffzeilen, nicht das Reporting: die Filter der verhaltensgetriggerten Flows.

In zwölf geprüften Accounts fehlte der richtige Filter in fünf. Und ich nehme mich davon nicht aus - in einem Account, den wir selbst aufgesetzt hatten, stand er ebenfalls falsch. Genau deshalb steht er heute als erster Punkt auf jeder Prüfliste.

Das Problem: Verhalten ist keine Einwilligung

Ein Welcome Flow wird durch eine Anmeldung ausgelöst. Jeder, der drin ist, hat sich aktiv eingetragen - die Einwilligung ist Teil des Triggers.

Bei aktivitätsbasierten Flows ist das anders. Warenkorbabbruch, Checkout-Abbruch, Browse Abandonment, „Active on Site" - sie alle feuern auf Verhalten. Klaviyo weiß, wer der Besucher ist, weil irgendwann einmal eine E-Mail-Adresse zum Browser gehörte. Das kann eine Anmeldung gewesen sein. Es kann aber auch ein Formular sein, das nur eine Adresse abgefragt hat, ein Import aus einem alten System oder ein Kontakt, der im Checkout stehen geblieben ist, ohne je einen Haken zu setzen.

Ohne zusätzlichen Filter bekommen all diese Profile Werbemails. Sie sehen aus wie normale Flow-Mails, sie konvertieren sogar - und sie gehen an Menschen, die dem nie zugestimmt haben.

Das ist nicht nur ein rechtliches Thema. Es ist auch das teuerste Zustellbarkeitsproblem, das man sich bauen kann: Wer eine Mail bekommt, die er nie bestellt hat, meldet sie als Spam. Und jede Spam-Meldung wirkt auf alle deine Mails, auch auf die an Kontakte, die dich mögen.

Warum „subscribed" nicht reicht

Der naheliegende Reflex ist, im Flow zu filtern auf: E-Mail-Consent ist „subscribed". Klingt richtig, ist aber zu weich.

Der Consent-Status in Klaviyo kann auf verschiedenen Wegen gesetzt werden - unter anderem durch Häkchen im Checkout, durch Importe und durch Integrationen. Er sagt aus, dass irgendwo ein Status gesetzt wurde. Er sagt nicht zuverlässig, dass es eine dokumentierte Anmeldung mit Bestätigung gab.

Deshalb ist der Maßstab, den ich setze, ein anderer: Ein Profil bekommt Werbung aus einem aktivitätsbasierten Flow nur dann, wenn seine Anmeldung nachweisbar ist - also eine Eintragung mit Bestätigung, mit Zeitstempel und Herkunft. Nicht ein Zustand, sondern ein Ereignis.

Das ist bewusst die strenge Variante. Es gibt in jedem gewachsenen Account Profile, bei denen die Lage unklarer ist - Kaufhistorie ohne Anmeldung, alte Importe, Häkchen aus dem Checkout. Welche davon dein Shop anschreiben darf, ist eine Rechtsfrage und keine Klaviyo-Frage: Das gehört einmal mit jemandem geklärt, der Rechtsberatung machen darf. Ich bin kein Anwalt, und dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung - er beschreibt, wie ich Accounts technisch aufsetze. Solange die Frage offen ist, lasse ich diese Profile aus den Werbe-Flows heraus. Das ist die Variante, bei der man nichts erklären muss.

Welche Flows den Filter brauchen - und welche nicht

Die Unterscheidung ist einfach, wenn man auf den Trigger schaut.

Filter nötig bei allem, was durch Verhalten im Shop ausgelöst wird: Produkt angesehen, in den Warenkorb gelegt, Checkout gestartet, auf der Seite aktiv. Hier entscheidet nicht der Kontakt, ob er angeschrieben wird, sondern sein Klickverhalten.

Filter nicht nötig bei allem, was durch eine Anmeldung oder eine Bestellung ausgelöst wird: Welcome Flow, Post-Purchase, Versandbenachrichtigungen, Bestellbestätigungen, Back-in-Stock-Benachrichtigungen. Der Trigger selbst ist der Nachweis - wer bestellt hat, bekommt Transaktionsmails, und wer sich für eine Benachrichtigung einträgt, hat sie angefordert.

Diese Trennung klingt banal, wird aber in der Praxis oft übersehen, weil in Klaviyo alle Flows gleich aussehen. Der Unterschied steht nur im Trigger.

Was ohne den Filter passiert

Die Symptome sind immer dieselben, und sie kommen in dieser Reihenfolge:

Die Abmelderate der Flows liegt über der der Kampagnen. Das ist gegen jede Erwartung - Flow-Mails sind relevanter und sollten weniger Abmeldungen erzeugen. Wenn es umgekehrt ist, sitzen im Flow Leute, die dort nicht hingehören.

Die Spam-Beschwerden steigen langsam an, ohne dass sich am Inhalt etwas geändert hat.

Die Zustellrate bricht bei einem einzelnen Provider ein. Meistens zuerst bei Gmail, weil dort die Rückmeldungen am schnellsten wirken.

Und irgendwann kommt der Brief. Das ist der teure Teil, und er lässt sich mit einem Filter vermeiden, dessen Aufbau zehn Minuten dauert.

In zehn Minuten prüfen

Du brauchst dafür keinen Zugang zu irgendwelchen Auswertungen, nur deinen Klaviyo-Account:

  1. Liste deine aktiven Flows auf und markiere alle, die nicht durch eine Anmeldung oder eine Bestellung ausgelöst werden.
  2. Öffne bei jedem davon die Filter - nicht die Trigger-Bedingungen, sondern die Profil-Filter des Flows.
  3. Prüfe, ob dort eine Bedingung steht, die eine dokumentierte Anmeldung oder eine frühere Bestellung verlangt. Steht dort nur der Consent-Status oder gar nichts, hast du den Fund.
  4. Schau in die Zahlen des Flows: Liegt die Abmelderate höher als bei deinen Kampagnen, bestätigt das den Verdacht.

Wenn du dabei etwas findest, ist die richtige Reihenfolge: erst den Filter setzen, dann prüfen, wie viele Profile dadurch aus der Strecke fallen. Der Umsatz des Flows sinkt danach - das ist kein Fehler, sondern die ehrliche Zahl. Was vorher mehr war, war Umsatz auf Kosten der Zustellbarkeit aller anderen Mails.

Was ich sonst noch bei jeder Übernahme finde

Der fehlende Filter ist der häufigste Fund, aber selten der einzige. Direkt dahinter kommen:

Mehrere Anmelde-Strecken parallel live. In sieben von zwölf Accounts liefen zwei bis fünf Welcome-Varianten gleichzeitig, mit überlappenden Auslösern. Neue Kontakte bekommen dann zwei Willkommensmails mit zwei Codes.

Alt und Neu nebeneinander. Ein neuer Flow wurde gebaut, der alte nie abgeschaltet. Beide laufen.

Aktions-Flows, die nach der Aktion weiterlaufen. Black Friday, Sommer-Sale, Presale - in sechs von zwölf Accounts war mindestens einer davon Monate später noch aktiv.

Käufer-Ausschluss über ein Zeitfenster statt über den Flow-Start. Wer nach 24 Stunden kauft, bekommt trotzdem noch die Rabatt-Mail von Tag 2 - inklusive Code, den er nicht mehr braucht.

Alle vier sind in einer Stunde behoben, wenn man weiß, wonach man sucht. Deshalb steht bei jeder Übernahme die Prüfung vor dem Bauen: Es bringt nichts, einen schönen neuen Flow neben drei kaputte zu stellen.

Häufige Fragen dazu

Brauche ich Double Opt-in für Klaviyo-Flows?

Die bestätigte Anmeldung ist in Deutschland der sichere Weg, weil sie die Einwilligung nachweisbar macht. Entscheidend für die Flows ist aber nicht die Einstellung an der Liste, sondern der Filter im Flow: Er sorgt dafür, dass nur Profile mit dieser Anmeldung überhaupt angeschrieben werden - unabhängig davon, was der Trigger auslöst.

Was mache ich mit Profilen, die gekauft, aber nie zugestimmt haben?

In den Werbe-Flows haben sie nichts verloren, solange nicht geklärt ist, auf welcher Grundlage sie angeschrieben werden - und diese Klärung gehört zur Rechtsberatung, nicht zur Agentur. Unberührt davon bleiben Mails, die zur Bestellung gehören: Bestätigung, Versand, Rückfragen. Der saubere Weg, diese Kontakte dauerhaft zu gewinnen, ist eine Anmeldung nach dem Kauf - über den Shop, die Bestellbestätigung oder eine Beilage.

Verliere ich durch den Filter Umsatz?

Kurzfristig ja, im Reporting des einzelnen Flows. Mittelfristig gewinnst du: weniger Beschwerden, bessere Zustellung, mehr Mails im Posteingang statt im Spam-Ordner. Der Umsatz, den der Filter kostet, war ohnehin geliehen.

Woran erkenne ich, dass der Filter fehlt, ohne in die Flows zu schauen?

An der Abmelderate. Wenn deine Flow-Mails sich häufiger abgemeldet werden als deine Kampagnen, stimmt etwas mit der Zielgruppe der Flows nicht - in den allermeisten Fällen ist es dieser Filter.

Gilt das auch für Shops außerhalb von Shopify?

Ja, und dort ist es sogar heikler. Bei Altsystemen kommen Ereignisse teils doppelt oder unter verschiedenen Namen an, sodass ein Filter auf die falsche Metrik zeigt und wirkungslos bleibt. Vor dem Setzen prüfen, welches Ereignis das echte ist.

Julian Reinhard
Julian ReinhardGründer retentionclub, Klaviyo-Partner

Ich baue seit über 5 Jahren Klaviyo-Systeme für Shopify-Brands - über 25 Shops, von der ersten Welcome-Mail bis zum Black-Friday-Presale. Hier schreibe ich auf, was in der Praxis funktioniert.