Kurz gesagt

Ein Shopify-Shop mit sauberem Klaviyo-System macht 25 bis 35 % seines Umsatzes über E-Mail; die meisten Shops liegen bei 5 bis 8 %. Vier Cases ordnen den Stand ein: 0-10 % (System fehlt), 10-20 % (Flows lückenhaft), 20-30 % (System steht, Segmentierung dran), 30 %+ (Optimierung). Der Case bestimmt den nächsten Schritt.

„Wie viel Umsatz sollte eigentlich über E-Mail kommen?" Das ist die erste Frage in fast jedem Erstgespräch - und die Antwort ist selten die, die der Shop-Betreiber erwartet.

Die kurze Version: Ein Shopify-Shop mit einem sauberen Klaviyo-System macht 25 bis 35 % seines Umsatzes über E-Mail. Was das in Euro für deinen Shop heißt, schätzt der ROI-Rechner in 30 Sekunden. Nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall. Die meisten Shops, die zu mir kommen, liegen bei 5 bis 8 % - und halten das für einen guten Wert, weil sie keinen Vergleich haben.

Wenn ich einen neuen Account analysiere, ordne ich ihn zuerst in einen von vier Cases ein. Der Case bestimmt, was als Nächstes dran ist - und was noch nichts bringt. Das ist wichtiger, als es klingt: Wer in Case A anfängt, A/B-Tests zu fahren, verschwendet Wochen. Wer in Case D noch Flows „optimiert", die längst gut laufen, verschenkt das eigentliche Potenzial.

Vorab: Welche Zahl du überhaupt anschaust

Bevor du deinen Case bestimmst, ein Punkt, an dem viele Accounts schon falsch abbiegen: Klaviyo zeigt dir den E-Mail-Umsatz nur dann richtig, wenn die Conversion-Metrik im Dashboard auf die tatsächliche Bestellung zeigt - nicht auf Shop-Besuche. Ich sehe regelmäßig Accounts, in denen die Zahl entweder viel zu klein ist (echte Bestellungen werden nicht gezählt) oder zu groß (jeder Klick zählt als „Conversion").

Und die zweite Falle: das Attributionsfenster. Klaviyo rechnet sich standardmäßig Käufe zu, die bis zu fünf Tage nach einem Klick oder Öffnen passieren. Manche Agenturen drehen das Fenster auf, damit die Reports besser aussehen. Wenn der E-Mail-Umsatz im Klaviyo-Dashboard deutlich über dem liegt, was Shopify in „Bestellungen über E-Mail" zeigt, ist das der erste Ort zum Nachsehen.

Der ehrliche Wert ist: E-Mail-Umsatz laut Klaviyo (bei sauberer Metrik und Standard-Fenster) geteilt durch den Gesamtumsatz des Shops, über die letzten 90 Tage. Damit ordnest du dich ein.

Case A: 0 bis 10 % - das System fehlt

So sieht es in den meisten Shops aus, die ich zum ersten Mal sehe. Typische Merkmale:

  • Es gibt einen Welcome-Flow (meist die Klaviyo-Vorlage) und einen Abandoned Cart. Post-Purchase, Browse, Winback, Sunset: nicht vorhanden oder im Entwurf.
  • Das Pop-up sammelt zu wenig - oft unter 2 % der Besucher, weil es entweder sofort aufgeht oder gar keinen Anreiz bietet.
  • Kampagnen gehen unregelmäßig raus, meist wenn ein Sale ansteht. Dazwischen wochenlang nichts.
  • Absender ist der Markenname, ohne Person. Double Opt-in ist entweder aus oder die Bestätigungsmail steht noch auf Englisch.

Was hier dran ist: das Fundament und die Core-Flows. Nichts anderes. Kein Segment-Feintuning, kein A/B-Test, keine Sale-Strategie. Ich habe noch keinen Case-A-Shop gesehen, der mit sauberem Fundament und den sieben Standard-Flows nicht innerhalb von 60 bis 90 Tagen in Case B oder C gelandet wäre - ohne einen Euro mehr für Ads.

Woran du erkennst, dass du hier bist: Wenn du nicht aus dem Kopf sagen kannst, welche Flows live sind und was jeder davon im letzten Monat gebracht hat, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit in Case A.

Case B: 10 bis 20 % - Flows da, aber lückenhaft

Hier stehen die wichtigsten Flows, aber sie laufen nebeneinander her statt als System. Was ich in Case-B-Accounts typischerweise finde:

  • Der Abandoned Cart bringt Umsatz, aber der Checkout-Flow und der Cart-Flow sind einer - oder beide schicken denselben Kontakt doppelt an.
  • Post-Purchase existiert, ist aber eine Mail („Danke für deine Bestellung") oder enthält direkt nach dem Kauf die Gründungsstory - ein verlässlicher Abmeldetreiber.
  • Kampagnen gehen raus, aber mit einer Frequenz, die zu niedrig ist, um die Liste warm zu halten. Eine Mail pro Woche ist für die meisten DTC-Brands zu wenig; zwei sind der Standard, mit dem wir bei allen Kunden arbeiten - eine mit Inhalt, eine mit Verkaufsabsicht.
  • Der Käufer-Ausschluss in den Flows ist falsch gebaut: Wer kauft, bekommt trotzdem die Rabatt-Mail zwei Tage später.

Was hier dran ist: die Lücken schließen und die Flows miteinander verzahnen. Meistens sind das drei bis fünf konkrete Eingriffe - die richtigen Filter, die fehlenden Flows, der Kampagnenrhythmus. Der Sprung von B nach C ist der schnellste der vier, weil das Fundament schon trägt.

Woran du erkennst, dass du hier bist: Der E-Mail-Umsatz kommt zu über 70 % aus einem einzigen Flow. Das ist fast immer der Abandoned Cart - und das heißt, alle anderen tun nichts.

Case C: 20 bis 30 % - das System steht

Ab hier wird es interessant, weil die Fehler leiser werden. Die Flows laufen, die Kampagnen haben einen Rhythmus, die Liste wächst. Was jetzt den Unterschied macht:

  • Segmentierung. Nicht mehr alle bekommen alles. Kampagnen gehen an die richtige Gruppe zur richtigen Zeit - Engagierte, Nicht-Käufer, VIPs - und wer gerade in einer Rabattstrecke steckt, bekommt nicht gleichzeitig den Newsletter.
  • Zustellbarkeit als eigenes Thema. In Case A und B fällt sie nicht auf, weil das Volumen klein ist. Ab Case C entscheidet sie darüber, ob 20 % oder 30 % rauskommen. Provider wie Gmail, Microsoft oder GMX bewerten deine Domain nach dem Verhalten aller Empfänger, und ein Shop, der monatelang an Inaktive sendet, zahlt das mit der Reichweite bei allen anderen.
  • Umfragen statt Vermutungen. Wer weiß, warum Kunden nicht kaufen, baut Flows, die genau diese Einwände entkräften - und braucht weniger Rabatt.

Was hier dran ist: weniger bauen, mehr steuern. Das ist auch der Punkt, an dem es sich lohnt, das Thema abzugeben - nicht weil es schwer wäre, sondern weil es Aufmerksamkeit jede Woche braucht, die ein Gründer selten hat.

Woran du erkennst, dass du hier bist: Der Umsatz verteilt sich auf mehrere Flows und regelmäßige Kampagnen, aber die Öffnungsraten sinken langsam und niemand weiß genau, warum.

Case D: 30 %+ - die Elite-Phase

Hier gibt es keine großen Hebel mehr, nur viele kleine. Was Case-D-Accounts von Case C unterscheidet:

  • A/B-Tests laufen dauerhaft - aber richtig: eine Variable, auf Inhalte statt Betreffzeilen, gemessen in echtem Mehrumsatz statt in Klickraten, und erst mit genug Käufen pro Variante, damit das Ergebnis belastbar ist.
  • Sale-Events sind strukturiert: mit Presale-Zugang für die heißesten Kontakte, mit Phasen, mit Rückbau danach. Ein Case-D-Shop macht mit derselben Liste an einem Black Friday ein Vielfaches von dem, was ein Case-C-Shop mit „Start-Mail plus Reminder" erreicht.
  • Zustellbarkeit wird aktiv gemanagt, je Provider - und Infrastruktur-Änderungen vor großen Sales sind tabu.

Was hier dran ist: kontinuierliche Verbesserung. Abmelderaten senken, Klickraten steigern, durch Tests jeden Monat ein bisschen besser werden. Ein CRM-System ist nie fertig - und in Case D ist das keine Floskel, sondern der Job.

Warum der Case wichtiger ist als der Prozentwert

Die Prozentzahl allein sagt wenig. Ein Shop mit 18 % E-Mail-Umsatz, dessen Umsatz komplett aus dem Abandoned Cart kommt, ist ein Case-B-Shop mit einem starken Flow - nicht auf dem Weg nach C. Ein Shop mit 12 %, bei dem alle sieben Flows sauber laufen, die Liste aber klein ist, hat ein Traffic-Problem, kein E-Mail-Problem.

Deshalb schaue ich in jeder Analyse auf drei Dinge gleichzeitig: den Anteil, die Verteilung (welche Flows und Kampagnen tragen ihn) und das Fundament (Consent, Absender, Zustellbarkeit). Erst daraus ergibt sich, was als Nächstes dran ist - und was man getrost noch liegen lassen kann.

Wenn du deinen Case kennst, kennst du auch deinen nächsten Schritt. Und wenn du dir nicht sicher bist, welcher es ist: Das ist genau die Frage, die wir in 30 Minuten klären.

Häufige Fragen dazu

Wie viel Umsatz sollte ein Online-Shop über E-Mail machen?

Mit einem sauberen Klaviyo-System sind 25 bis 35 % des Gesamtumsatzes der Normalfall. Die meisten Shops ohne System liegen bei 5 bis 8 % - und halten das für gut, weil ihnen der Vergleich fehlt.

Wie berechne ich meinen E-Mail-Umsatzanteil richtig?

E-Mail-Umsatz laut Klaviyo bei korrekter Conversion-Metrik (Bestellung, nicht Shop-Besuch) und Standard-Attributionsfenster, geteilt durch den Gesamtumsatz des Shops - über die letzten 90 Tage. Wenn Klaviyo deutlich mehr zeigt als Shopify, ist meist das Attributionsfenster verstellt.

Wie schnell kommt ein Shop von Case A nach Case C?

Mit sauberem Fundament und den sieben Standard-Flows ist der Sprung in Case B oder C in 60 bis 90 Tagen realistisch - ohne zusätzliches Werbebudget.

Julian Reinhard
Julian ReinhardGründer retentionclub, Klaviyo-Partner

Ich baue seit über 5 Jahren Klaviyo-Systeme für Shopify-Brands - über 25 Shops, von der ersten Welcome-Mail bis zum Black-Friday-Presale. Hier schreibe ich auf, was in der Praxis funktioniert.